Der schmale Grat oder der Unterschied zwischen Beratung und Coaching

Wie oft musste ich schon erklären was Coaching eigentlich ist. In meinem Fall, das systemische Coaching.  Denn aus dem angelsächsischen Sprachraum stammend ist der Coach eher der Trainer. Vom Fussball kennt auch der eine oder die andere den Begriff. Für mich ist aber ein Trainer eher ein „Drill-Sergant“, jemand der bestimmte Fähigkeiten oder Fertigkeit mit seinen Klienten einübt.

Das Coaching, besonders das systemische Coaching geht aber meiner Ansicht nach weit darüber hinaus. Es geht um Selbsthilfe, bzw. um Lösungen, die von den Klienten selbst gefunden und daher auch eher angenommen und umgesetzt werden können.

Der klassische Berater ist ein „wohlmeinender Besserwisser“, der aufgrund seiner Expertise Lösungsvorschläge macht und, wenn es ein guter Berater ist, bei der Umsetzung hilft.

Leider wird besonders im kommerziellen Umfeld versucht die Verantwortung an den Berater zu delegieren. Das führt meiner Ansicht nach dazu, dass die Stakeholder im Klientenunternehmen, bzw, im Klienten-System sich auf die Externen verlassen und selbst keinen Anteil an der Lösung, geschweige an der Verantwortung dafür haben.

Ich ertappe mich auch selbst in Coaching-Sitzungen immer wieder dabei, dem Impuls, kurz einen Ratschlag zu geben, nachzugeben. Unlängst hatte ich das unangenehme und fast übergriffige Gespräch mit einem Coach, der seine Erfahrungswelt, getriggert durch ein paar „Buzzwords“ in meinen Ausführungen, über mich ergoss. Ich bleibe bei dem Bild, denn es kam mir vor wie eine ungewollte Ice-Bucket-Challange.

Wohl dem Klienten, der einen Coach hat, der zwischen diesen beiden Modi unterscheiden kann und zumindest vorwarnt, dass jetzt ein Ratschlag kommt.

Diesem hohen Ethos, auf keinen Fall zu beraten, sondern konsequent in der Rolle des Coaches zu bleiben, gerecht zu werden stellt offensichtlich nicht nur an mich hohe Anforderungen. Oft wird mir von Kollegen, allesamt Coaches, entgegnet, „Die Klienten wollen das doch. Warum machst du dir einen Kopf …“

Naja, ich will mir eben einen Kopf machen und Coach und nicht Berater sein. Zumindest wenn ich als Coach ein Mandat übernommen habe.