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Coaching auf dem Boot?

Lange habe ich über dieses Thema nachgedacht. Bei einem Segeltörn, an dem ich Teilnehmen durfte, hat ein Kollege unter anderem Coaching angeboten. In einer größeren Gruppe stellte sich aber das Problem der Abgeschiedenheit, bzw. der Privatsphäre. Ganz nebenbei ist es schwierig, ein Flipchart und sonstiges Material mitzunehmen. Es braucht also einiges an Überlegung und Vorbereitung. Bzw. der Coach muss mit wenigen Mitteln auskommen. Je nach verwendeter Methode oder Vorgehensweise kann das Funktionieren.

Für mich käme nur ein Boot vor Anker in Frage. Denn während dem Segeln, kann ich mich entweder auf den oder die Klientin konzentrieren oder auf die Bootsführung. Ansonsten besteht natürlich die Möglichkeit erst zu segeln und dann im Hafen oder in einer ruhigen Ankerbucht in ein Coachinggespräch einzutauchen.

Für viele meiner Segelgäste, ich führe von Zeit zu Zeit Skippertrainings durch oder bin mit Gästen als Skipper auf größeren Segelyachten unterwegs, ist das ruhige Dahingleiten unwahrscheinlich gut geeignet um „runter zu kommen“, um Abstand zum Alltag zu gewinnen. Bei jemandem der sehr in seinem Hamsterrad feststeckt, kann dies genau der richtige Impuls sein um überhaupt in diesen „Selbstreflektions-Modus“ zu kommen.

So gesehen, wäre ein Segelboot also auch ein Coachingwerkzeug und nicht nur eine „coole Location“.  Als eine mögliche Intervention, ein wichtiger Impuls, gefällt mit die Idee des Coachings auf dem Boot, trotz Enge, trotz der Einschränkungen, die sich aus dem ungewöhnlichen Umfeld ergeben.

Andere, weitere Möglichkeiten könnten die Abgeschiedenheit eines Klosters, einer Berghütte oder jedes anderen ungewöhnlichen Ortes darstellen. Der Zauber, die Magie des Ortes muss die gewünschte Intervention unterstützen, dann ist er gut gewählt und hilft dem Klienten.

Wo findet ein Coaching statt?

Coaching kann drinnen oder auch im Freien stattfinden. Allerdings braucht der Client und der Coach entsprechende Privatsphäre. Viel Coaches mieten in gut erreichbaren Lagen in den Innenstädten entsprechende Räumlichkeiten an. Die gute Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten sind hier die wesentlichen Standortfaktoren. Im Raum selbst gibt es in der Regel ein Kunden- bzw. Klienten-WC und oft auch eine keine Kaffee- oder Teeküche.

Cochingraum

Bei Coachingräumen in der Wohnung oder dem Haus des Coaches ist mir persönlich auch der separate Eingang wichtig. Dies aus zweierlei Hinsicht. Zum einen muss ein Client nicht in die Privatsphäre des Coachs eindringen und zum anderen ist es für Klienten sicher angenehmer nicht die Nachbarn, Angehörige oder Kinder aus dem Haushalt des Coaches zu treffen. Ein sogenannter Publikumseingang, also ein separater Eingang schirmt die Klienten eher ab. Sicher ist dies nicht überall darstellbar, aber zumindest eine Überlegung wert, wenn man als Coach auf der Suche nach entsprechen Räumen ist.

Neben dem vorgeschriebenen WC, idealerweise einer Garderobe, um im Winter warme Jacken oder Mäntel loswerden zu können stellt der Raum natürlich das wichtigste Arbeitsmittel dar. Er solle ruhig liegen, Fenster haben, damit auch mal der Blick in die Ferne schweifen kann und sehr gemütlich sein. Ein oft unterschätzter Faktor ist der Hall. Ein Raum, in dem weder Pflanzen, noch Teppiche und Gardinen vorhanden sind, wirken nicht nur optisch kalt, sondern die Geräuschkulisse wird als störend bis unangenehm empfunden. Das Gehör filtert zwar den Hall aus dem gesprochenen Wort heraus, aber im Unterbewusstsein wirkt sich dieser Hall oder das Echo einfach negativ aus. Und das ist keine gute Grundlage für ein entspanntes Gespräch.

Neben den funktionalen und den physikalischen Effekten gibt es noch psychologische Aspekte die ein guter Coach natürlich berücksichtigen will. Ein Innenarchitekt oder ein Einrichtungsberater beachtet neben der durch Mode und persönlichen Geschmack geprägten Farbauswahl einige grundsätzliche Gestaltungsregeln. So wird die Decke in den Farben und der Helligkeit immer heller als der Boden sein um keine bedrohliche „Gewitterstimmung“ zu suggerieren. Es ist völlig egal ob die Zimmerdecke und weiss oder in warmen Farben gestaltet wird, sobald der Boden deutlich dunkler ist, lehnt sich die Szenerie an eine natürliche Umgebung an. (Der Boden ist dunkel und ein freundlicher „Himmel“ ist hell.)

Im Raum selbst braucht man die unverzichtbaren Stühle und vielleicht ein Plipchart und ein Whiteboard oder eine Pinnwand, je nach den eingesetzten Werkzeugen. Will man mit dem Klienten auch mal direkt auf dem Boden arbeiten, dann lädt ein weicher Teppich eher zum hinknien ein, als ein Kissen auf einem unbequemen und harten Boden.

Wie es sich mit dem Coaching im Freien oder z.B. in öffentlichen Räumen oder gar ganz abgeschieden auf einem Boot verhält, das werde ich in einem späteren Beitrag näher besprechen.